Nach einer turbulenten Woche starten die internationalen Ölmärkte mit tieferen Notierungen in die neue Woche. Am Freitag sorgten neue Angriffe auf Tanker und zunehmende Spannungen im Nahen Osten nochmals für einen kräftigen Preisschub. Inzwischen ist ein Teil dieser Gewinne wieder verloren gegangen. Der ICE Gasoil November schloss am Freitag bei 1'413 USD/t, 15.50 USD/t unter dem Schlusskurs des Vortages. Auch heute Montagmorgen geben die Notierungen nach. Für Heizölkunden ist das grundsätzlich eine positive Entwicklung. Doch die aktuelle Preisbewegung sollte nicht mit einer nachhaltigen Entspannung verwechselt werden.
Geopolitik bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor
Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt. Neue Angriffe auf Handelsschiffe im Persischen Golf sowie die zunehmenden Aktivitäten der Huthi im Roten Meer gefährden wichtige Transportrouten für den internationalen Ölhandel. Die Folgen sind bereits spürbar. Gemäss den im Marktbericht zitierten Analysedaten sind die Rohölexporte aus der Golfregion zeitweise deutlich zurückgegangen. Zwar haben sich die Lieferströme teilweise wieder erholt, doch insbesondere bei raffinierten Mineralölprodukten wie Diesel bleibt die Versorgung eingeschränkt. Für den europäischen Heizölmarkt ist das besonders relevant. Denn Heizöl und Diesel gehören zu den sogenannten Mitteldestillaten. Eine angespannte Versorgung mit diesen Produkten kann die Preisentwicklung deshalb auch dann beeinflussen, wenn der Rohölpreis zwischenzeitlich nachgibt.
Zusätzliche Diesel-Lieferungen könnten den Markt entlasten
Ein möglicher Lichtblick kommt aus den USA: Präsident Donald Trump hat geplante Sanktionen und Zölle gegen Russland vorerst ausgesetzt. Gleichzeitig wurden Vereinbarungen über zusätzliche russische Diesellieferungen angekündigt. Sollten dadurch tatsächlich grössere Mengen auf den Weltmarkt gelangen, könnte sich die angespannte Versorgungslage entspannen. Allerdings sind die Auswirkungen noch ungewiss. Solange Umfang, Zeitpunkt und tatsächliche Verfügbarkeit der Lieferungen offenbleiben, ist eine nachhaltige Entlastung nicht garantiert.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Für Schweizer Heizölkunden bleibt die Situation anspruchsvoll. Die internationalen Börsennotierungen sind nur ein Teil des späteren Endpreises. Zusätzlich spielen der USD/CHF-Wechselkurs, die Beschaffungskosten, die Transportlogistik und die regionale Liefersituation eine wichtige Rolle. Ein Rückgang beim Gasöl bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Heizölpreise in der Schweiz im gleichen Umfang sinken. Umgekehrt können neue geopolitische Ereignisse oder Versorgungsstörungen rasch wieder zu höheren Preisen führen.
Börsendaten 19.10.2026 um 08:48 Uhr
ICE-Gasoil NOV: 1416.00$
ICE-Brent DEZ: 107.24$
NY-Rohöl WTI NOV: 99.29$
US-Dollar/CHF: 0.8240
Rheinfracht nach Basel: 270.00