Die kurze Entspannung an den Öl Börsen sollte nicht darüber hinwegtäuschen: Der Markt bleibt angespannt – und für die Schweiz wird zunehmend die Logistik zum entscheidenden Faktor.
Brent notiert aktuell wieder bei rund USD 101 pro Fass. Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte zwischen den USA und Iran sorgen zwar immer wieder für kurzfristige Preisbewegungen, eine nachhaltige Entspannung der Versorgungslage ist daraus bislang jedoch nicht entstanden. Gleichzeitig befinden sich die internationalen Dieselpreise auf aussergewöhnlich hohem Niveau. Das wiederspiegelt sich auch an den Zapfsäulen.
Noch kritischer präsentiert sich die Situation auf dem Rhein. Der Pegel bei Kaub ist auf ein extrem tiefes Niveau gefallen. Schiffe können nur noch stark reduziert beladen werden, alternative Transportwege über Bahn und Strasse sind bereits stark ausgelastet. Die Frachten von ARA nach Basel lagen zuletzt bei rund CHF 260 pro Tonne. Und Regen ist laut Meteo nicht in Sicht.
Auch der Bund spricht weiterhin von einer angespannten Versorgungssituation. Die Raffinerie Cressier produziert nach ihrem Unterbruch zwar wieder, doch das anhaltende Niedrigwasser schränkt die Importkapazitäten in die Schweiz massiv ein.
Ab Oktober wird die Logistik zum entscheidenden Faktor
Mit Beginn der Heizperiode steigt die Nachfrage. Mengen, welche normalerweise im Sommer eingekauft und ausgeliefert wurden, treffen auf Mengen vom Herbst und Winter. Zusammen übersteigen die hohen Volumen die Lieferkapazitäten. Gleichzeitig treffen hohe Rheinfrachten, eingeschränkte Schiffskapazitäten und eine bereits stark beanspruchte Strassen- und Bahnlogistik aufeinander.
Die Folge: Lieferfristen verlängern sich deutlich, weil die Transportkapazitäten nicht auf ein solches Szenario vorbereitet sind.
Wer im Oktober oder November Heizöl benötigt und mit der Bestellung wartet, bis der Tank beinahe leer ist, geht deshalb ein unnötiges Risiko ein. Gewünschte Liefertermine können bei hoher Auslastung möglicherweise nicht mehr kurzfristig realisiert werden. Im schlimmsten Fall droht eine Notfalllieferung – inklusive entsprechender Zusatzkosten und Notfallpauschalen. Das lässt sich mit etwas Planung vermeiden.
Unsere Empfehlung ist deshalb klar: Nicht auf den perfekten Preis warten – Versorgung und Liefertermin jetzt sichern.
Denn in den kommenden Wochen dürfte die entscheidende Frage zunehmend nicht mehr lauten:
„Bekomme ich Heizöl noch ein paar Franken günstiger?“
Sondern:
„Wann kann mein Heizöl überhaupt geliefert werden?“
Börsendaten 22.09.2026 um 09:00 Uhr
ICE-Gasoil OKT: 1448.00$
ICE-Brent NOV: 101.84$
NY-Rohöl WTI OKT: 97.40$
US-Dollar/CHF: 0.8211
Rheinfracht nach Basel: 260.00